Sonntag, 5. April 2015

Nichts als Ruhe und gaaanz viel Wein!

 Vor etwa 6 Wochen verließen wir die Apfelfarm in Orange und fuhren nach MiaMia, Victoria. Es war bereits stockdunkel als wir nach 9 Stunden Fahrt unseren Van in eine Einfahrt mit dem Schild "Burke & Wills Winery" lenkten. Irgendwo im Nirgendwo. Keine Lichter weit und breit. Nur Feld. Noch eine Weile fuhren wir auf einem staubigen Feldweg entlang, bis wir ein Haus erreichten. Hier und da liefen uns Schafe über den Weg und Kaninchen hoppelten ins Sichere.
Auf diesem kleinen Weingut leben Andrew und Heather. Sie stellen nicht nur ihren eigenen Wein her, sondern kennen auch sehr viele bekannte Musiker und veranstalten selbst kleine Konzerte. Als ich mich am ersten Morgen auf ihrem Grundstück umsah und erkannte, wo ich mich überhaupt befinde, dachte ich "Ui, da muss ich mich bestimmt erst einmal dran gewöhnen". Weit und breit ist einfach...Nichts. So weit ich schauen kann, sehe ich nur von der Sonne verbranntes, gelbes Gras, ein paar Bäume hier und da, und in der Ferne Hügel, Hügel, Hügel. Endlose Weidefläche. Der nächste Ort mit Einkaufsmöglichkeiten ist 30 Minuten von hier entfernt. Man hört einfach nichts außer Vögel oder das Rascheln der Bäume. Das nenne ich mal Ruhe !

Blick vom Grundstück


..um eine kleine Vorstellung zu bekommen wo ich mich befinde, allerdings ist es längst nicht mehr so grün!

Diese Gegend hier ist sehr bekannt für den besonders guten Wein. So gibt es hier und da, nicht ganz weit voneinander entfernt mehrere Weingüter. Und so kam es, dass ich schon bald einen Job bei einem anderen Weingut namens "Granite Hills" bekam. Granite Hills liegt nur 15 km von der Burke and Wills Winery entfernt und ist in meinen Augen wirklich riesig!

Foto bei dem Weingut "Granite Hills"- mein Arbeitsplatz :)
links: einige Reihen Wein

Links und rechts unendlich viel Wein
Obwohl diese Gegend hier perfekt zum Entspannen ist, stand für mich jedoch eigentlich nur eins auf dem Plan: arbeiten, arbeiten, arbeiten. An jedem Arbeitstag klingelte um 6 Uhr Früh der Wecker. Wie immer quälte ich mich dann aus dem Bett, hatte mein Frühstück und machte mich dann auf dem Weg zu Granite Hills, das mit dem Auto 20 Minuten von der Burke and Wills Winery entfernt ist. Der Weg dahin ist immer wieder aufs Neue wunderbar. Während die Sonne aufgeht fährt man über Hügel, von wo aus man einen unglaublich weiten Blick über die leere aber doch märchenhafte Landschaft hat. Oh ja! Es ist nicht gerade leicht, exakt zu beschreiben, wie diese Gegend aussieht oder wie sich dies und das anfühlt. Selbst an solchen Orten zu sein ist mit Nichts vergleichbar. Ich hoffe dass einige meiner Fotos mehr aussagen können.

Sonnenaufgang beim Weg zur Arbeit
Einfahrt zu Andrew und Heathers Haus

Auf diesem riesigen Weingut gibt es immer viel zutun. Perfekt für uns war außerdem, dass wir hier ankamen, als gerade die Ernte begann. In meinem letzten Blogeintrag habe ich ja bereits genug über die anstrengende Arbeit beim Äpfel pflücken erzählt. Wein pflücken gehörte auf diesem Weingut aber nicht wirklich zu meinen Aufgaben. Ich half vor allem dabei, die riesigen weißen Netze über die Reihen Wein zu spannen. Die sollen Vögel davon abhalten, die ganzen Trauben zu fressen. Das ist hier wirklich ein großes Problem. Hier leben unglaublich viele Kakadus und alle möglichen anderen einheimischen Vögel. Die sind zwar wunderschön und niedlich aber nicht vom Vorteil auf einem Weingut. Trotz der Netze schaffen einige dann irgendwie doch, an die Trauben zu gelangen.
Ansonsten tat ich dies und das. Junge Pflanzen verschneiden, Proben sammeln, Netze entfernen, bei der Ernte die vollen Eimer einsammeln, selbst Wein pflücken und und und. Es war genug um jeden Abend erschöpft nach Hause zu kommen ;)
Die Granite Hills Winery gehört Llew Knight. Er baute sein Haus auf einem Hügel, von wo aus er über sein Weinfeld und noch weiter hinaus schauen kann. Dort lebt er mit seinem kleinen Sohn, Ben und seiner Frau, Andrea.

Ausblick von Llews Haus

Ausblick von Llew's Haus nr. 2
Nach einer Woche bei Heather und Andrew (Burke and Wills Winery) kam auch schon ein junges Paar aus Frankreich an. Die beiden hatten bereits 2 Jahre lang Australien bereist, waren einige Monate bei Andrew und Heather und sind sehr gute Freunde geworden. Jetzt sind sie für 3 Monate wieder hier und werden bald für ein Jahr nach Neuseeland fliegen, was für ein Leben ! :) Mit ihnen bin ich oft zu einigen anderen Weingütern der Umgebung gefahren um dort Früchte zu pflücken. Ich hatte in der Zeit hier sehr viel Spaß mit den Beiden. Hoffentlich werde ich sie noch einmal treffen. ;)
An den Wochenenden arbeitete ich zwar nicht bei Granite Hills, aber bei Andrew und Heather war an den Wochenenden immer was los. Auf ihrem Grundstück veranstalteten sie jedes Mal Konzerte und immer wurde gekocht damit einem die Gäste jaa nicht verhungern ;)



Sonnenuntergang über der Burke and Wills Winery






Morgen, am Montag werden wir diesen Ort verlassen. Dann beginnt das nächste Abenteuer. Das wird ganz grooooooß!!
Ich freu mich drauf :)

4 Mitbewohner ;)














Donnerstag, 19. Februar 2015

Äpfel, Äpfel, Äpfel!!! - So läuft's beim fruit picking

Vor etwa dreieinhalb Wochen verschlug es mich nach Orange, welches sich etwa 450 km entfernt südlich von Tamworth, dem Ort an dem ich davor war, befindet. Warum? Der Grund ist ganz klar: Arbeit! Orange ist (so wie unzählige andere Orte in Australien ) so interessant, weil es rundherum um der Stadt verdammt viele Apfel,- und Weinfarmen gibt. Fruit Picking oder Farmwork sind die Jobs, die wohl die meisten Reisenden machen. Natürlich fliegt einem die Arbeit nicht einfach zu. Wir buchten zunächst 7 Tage eine Campsite auf dem Campingplatz in Orange. Nichts besonderes, sehr einfach gehalten, aber mehr brauchen wir ja nicht. Wir waren in unserem Bereich nicht allein, ohh nein. Nur etwa 50 meter von uns entfernt war die offene Camp Kitchen. Das sind die Anlagen auf einem Campingplatz wo alle Leute dort ihr Essen zubereiten und verdrücken können. Direkt davor war noch eine Wiese. Darauf campten mindestens 15 weitere Backpacker, davon mehr als die Hälfte aus Deutschland. Soweit so gut. Nur leider halte ich nichts davon, wenn diese den ganzen Tag in der Campkitchen hocken und es als IHR Wohnzimmer einnehmen. Sie verstreuten ihr Essen, ihre Kochutensilien und ihr Müll überall. Dazu kommen noch Campingstühle, eine Musikanlage (die fast den ganzen Tag dröhnte), eine Luftmatratze (jap, man hat auch einfach mal ein Nickerchen in der Küche gemacht, oder sich einfach darauf gelegt weil ja sitzen so anstrengend ist), UND eine Xbox plus Fernseher. Vom Inhalt der Gespräche brauche ich gar nicht zu berichten. Das Niveau kann wohl nicht tiefer sinken. Abends und in der Nacht gab es dann auch ab und zu eine Campkitchen- Party. Wie witzig. Aber gut, das erstmal dazu. Wenigstens hatte ich die Möglichkeit, einige Vögel zu fotografieren, echte Vögel.


weißer Kakadu


hübscher Papagei



 Einen Tag lang machten wir uns auf die Socken und klapperten eine Menge an Farmen ab, die sich etwas außerhalb befinden. Wir fragten die Farmer persönlich nach Arbeit. Und- wenn ich jetzt mal etwas vorspule- siehe da! Nach einer Woche standen wir dann an einem Mittwochmorgen pünktlich um 8 Uhr auf einer Apfelfarm im 9 km entfernten, winzigen Nashdale. Außerdem waren noch 4 weitere Franzosen da. Auf der Farm gibt es, ein wenig versteckt und ganz hübsch, idyllisch, einen grünen, großen Platz auf dem man campen kann. Natürlich alles umgeben von unzähligen Apfelbäumen (es gibt auch Birnen ;) ). Später dazu mehr.
Unser Vorarbeiter gab uns allen eine gute Einweisung. Er gab uns unsere Picking bags (die Beutel, in denen man die Äpfel sammelt, bevor man sie in den Stiegen auslädt) und erklärte uns was man auf keinen Fall für Fehler machen darf, da man schnell Probleme mit dem Rücken bekommen kann. Danach gab er uns 3 Traktoren und jeweils 2 Leitern (wir sind 6 Leute, arbeiten immer zu zweit) und zeigte uns, wie sie zu fahren sind. An den Traktoren hängt jeweils ein Trailer, auf ihm stehen zwei Stiegen. Hier in Australien sagt man dazu immer "bin". Ich setzte mich in eine Stiege, dann ging es los. Wir fuhren in den "Block" von Apfelbäumen, die zu pflücken waren. Unser Vorarbeiter gab uns dort noch ein paar Tipps für's Pflücken. Ich staunte über die riesigen Stiegen. Wie lange das wohl dauern wird, ehe man eine gefüllt hat. Ich fragte Rodney (den Vorarbeiter) wie viele Kilos da hineinpassen. 470 kg meinte er. Wow.. Und dann fingen wir an zu pflücken. Äpfel, die hinunterfallen, sollen wir nicht aufheben, da diese ja verletzt werden.  Zu viele sollen wir auch nicht fallen lassen, er möchte uns nicht mehrmals warnen. Trotzdem hob ich einige Male unverletzte Äpfel vom Boden auf und tat sie in den Bin zu den anderen.
An diesem Tag schafften wir gerade mal 4 Stiegen zu füllen, also 2 Trailer. Für die ersten zwei Stiegen brauchten wir 4 Stunden. Erschöpft gingen wir zum "Camp" zurück, wo auch die anderen vier waren. Meine Schultern und mein Nacken taten mir weh. Meine Beine waren mit Staub bedeckt und schon nach diesem Tag erst hatte ich Wunden an Armen und Beinen. Ein bisschen verzweifelt und enttäuscht sahen wir alle aus. Das alles für das Geld? Wir werden pro Bin bezahlt. An diesem Abend redeten wir mit den Franzosen über dies und das, aber vor allem über die Arbeit und den Verdienst. Sie sind alle ungefähr in meinem Alter, zwei Mädchen, zwei Jungen. Ich mochte sie sofort.
An jedem nächsten Morgen klingelte 5.30 Uhr der Wecker. Draußen dunkel und kalt. Ich robbte mich aus dem Bett, noch mit dem Stechen in den Schultern von Gestern. Sachen anziehen, rausgehen. Es gibt Müsli mit frischem Obst und warmer Milch. Dann Zähne putzen. Die Sonne geht über den Apfelbäumen auf. 25.000 sind es. Sobald es hell ist, gehen wir zu unserer Baumreihe, dort, wo schon unser Traktor mit den leeren Stiegen bereit steht. Ein Morgenspaziergang durch das Apfelfeld. In der Hand einen 10 Liter Wasserkanister, Sonnencreme und noch mehr. Noch immer ist es kalt, ich trage eine lange Hose über der kurzen und einen Pullover. Das Gras ist nass, weicht meine Schuhe ein. Ich schlüpfe in meinen Picking bag, schaue noch einmal auf die Uhr. 6:30.. Meine Hände sind kalt, die Äste schmerzen noch während man pflückt. Ich wünsche mir, es wäre wärmer, aber schon in ein paar Stunden werde ich mich über die Hitze beschweren und ausziehen, was nur geht. Die ersten Sonnenstrahlen dringen durch die Äste hervor und bringen das Rot der Äpfel zum Leuchten. Früh geht alles schnell, da ist man noch voller Energie und es ist noch keine Sonne da, die einen umbringt. Nach 2,5 Stunden sind dann die ersten zwei Stiegen voll. Eine Verbesserung, wow. Bis ca. um 12 ist das Arbeiten noch recht angenehm. Die Bäume spenden hier und da Schatten. Nachmittags geht alles langsamer. Die Hitze drückt, die Sonne brennt wie Feuer auf der Haut. Kein Schatten mehr. Es müssen nicht unbedingt 30 Grad sein und dennoch ist es unerträglich in der Sonne. Nicht einmal Wolken am Himmel, die mich schützen könnten. Ich setze mir den Papierhut auf, den mir meine Mum vor Australien kaufte. Sie meinte damals, er stehe mir so gut und ich bräuchte sowieso einen. Gut sah er wirklich einmal aus. Das war jedoch vor dem Flug. Ich musste alles in meinem Reiserucksack so zusammenquetschen, dass der Hut in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ihn zu falten war keine gute Idee. Nun ist er flach wie ein Blatt Papier. Ich setzte ihn nur auf, weil ich keinen anderen hatte und mich vor der Sonne schützen wollte. Sorry Mum.
An diesem Tag waren es am Ende wieder nur vier Bins. Ab dem dritten Tag schafften wir jedoch sechs. Am Wochenende hatten wir frei. Zeit, um sich ein bisschen mehr einzurichten. Vor unserem Van stellten wir unser Gazebo auf, darunter unseren Tisch und Stühle. Schlecht ist es hier nicht. Unser Platz ist direkt am Damm, wo das Wasser für uns und die ganze Farm gespeichert wird. Ein Stückchen weiter daneben steht ein alter großer, umgebauter Container. Darin zwei alte Duschen und Toiletten, sowie eine alte Waschmaschine wie ich sie noch nie gesehen habe. Man muss sie selbst mit heißem Wasser befüllen. Danach dreht sich die Wäsche ein paar mal bis das Wasser schwarz vom Staub ist. Betätigt man einen anderen Knopf wird das Wasser einfach nur abgelassen und das war's dann. Neben dem Container ist noch eine Art überdachte Campkitchen angebaut, auch sehr alt. Es gibt nur ein paar Ablagen und einen gammeligen Kühlschrank. Aber das ist super. Mehr als wir sonst zur Verfügung haben. Neben der Arbeit fühle ich mich hier sehr wohl. An dem kleinen See hatten wir auch anfangs eine große Gans die ständig rumschnatterte. Nun ist sie aber in einem zweiten Damm ein paar Meter weiter, die zwei Jungs hatten sie mit Äpfeln verjagt.

Links der Bad-Container mit Küche, rechts Van mit Gazebo, im Hintergrund Apfelfeld

Mit den Franzosen haben wir sehr viel spaß. Es ist lustig, sich mit ihnen zu unterhalten. Vor allem die beiden Jungs treiben ständig irgendwelchen Unfug :)
Über die Tage gewöhnte ich mich ein bisschen an die schwere und langwierige Arbeit. Das Wetter war mal so und mal so. Oft war die Hitze nur mit viel Wasser auszuhalten. Ich habe ja meinen tollen 10 Liter Kanister. Trotzdem unangenehm. Durch die Sonne hatte ich mir trotz Sonnencreme einen heftigen Sonnenbrand im Gesicht eingefangen. Einmal eine Runde Schlange spielen. An den Armen bin ich nun so braun wie nie zuvor ;).
So ging es von Tag zu Tag immer weiter, bis jetzt seit zwei Wochen. Mal hatten wir total die Nase voll und mal fühlten wir uns ganz gut und waren positiv gestimmt. Ich glaube, auf dieser Farm ist man schon ziemlich gut aufgehoben. Auf anderen tummeln sich dutzende Backpacker, ca. 20 Leute müssen sich zwei Duschen und einen Kühlschrank teilen. Hier sind wir friedlich zu sechst. Es ist ruhig und entspannend. Man hört nur die Vögel auf den Bäumen und in der Luft, die Enten im Wasser, den Traktor im Feld oder den Schrei eines der Mädchen wenn sie eine große Spinne entdeckte. Unser Vorarbeiter kümmert sich gut um uns. Wir können im Grunde tun und lassen, was wir wollen. Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten und wir entscheiden, wann wir in die Pause gehen. Bald werden wir jedoch diese Farm verlassen. Nun ist sowieso Pause für zwei Wochen, da die anderen Äpfel noch nicht reif genug sind.
Und auch wenn die Arbeit hier anstrengt und die Sonne nervt, am Ende vom Tag lasse ich mich in den Campingstuhl fallen und während ich auf den kleinen See neben mir schaue, die Vögel singen und es dämmert, denke ich mir: Dieser Ort ist doch irgendwie schön, hier fühle ich mich wohl.


Links Damm, rechts Küche, in der Mitte Gumtree und Apfelfeld im Hintergrund
Traktor, Sonne, Staub und Bäume


Links Bad- Container und Schrott :)


während einer Pause

Traktor mit Trailer und fast vollen Bins










Sonntag, 25. Januar 2015

Sauna in Woodford und Wald, Wald und noch mehr Wald



Jetzt, nach etwa 4 Wochen voller Eindrücke melde ich mich mal wieder zurück ;) Ab dem 22. Dezember befand ich mich auf dem Woodford Festival. Dabei konnte ich das Gefühl genießen, bereits etwa eine Woche vor dem eigentlichen Start auf dem Gelände zu sein. Zu diesem Zeitpunkt befand sich noch alles Mittem im Aufbau. Es war interessant und schön zu sehen wie dieser Ort mit der Zeit immer mehr Gestalt annahm und bunter wurde. Ein Hippiedorf. ;)



Blick auf eines der "Konzertzelte"

 Das Festivalgelände ist riesig! Es ist umgeben vom Regenwald, hügelig. Auf einem großen Grashügel sind riesige Schilder mit Buchstaben aufgestellt, die den Namen "Woodfordia" ergeben. Man kann es sogar von der Hauptstraße, die sich etwas weiter weg befindet, erkennen. Es erinnert an Hollywood.
Da ich schon sehr früh auf dem Festival war, verbrachte ich auch Weihnachten dort. An dem Tag war kaum noch jemand von den Arbeitern auf dem Gelände. Hier in Australien feiert man diesen Tag übrigens nicht am 24. sondern am 25. Dezember. Allerdings muss ich gestehen, dass mir diese Art von Weihnachten nicht wirklich zuspricht. In Einkaufshäusern ist es nach australischer Art festlich Geschmückt, es ertönt Weihnachtsmusik. Auf den Straßen laufen Leute mit ihren kürzesten Sachen herum und natürlich: Flip-flops. Die Sonne brennt, es ist heiß. Australischer Sommer halt. Zudem ist es in Woodford sehr humid, was noch einmal die Kirsche auf das Sahnehäufchen setzt. Einige meiner Freunde fragten mich, wie viel Grad es denn hier seien. Ich sagte nur: "Ach, stell dir einfach eine Sauna vor." Denn das Klima hier kann man nicht mit dem in Deutschland vergleichen. Dort ist es trocken. Hier unterscheidet sich die wirkliche Temperatur von der Gefühlten sehr stark. Ein Beispiel: Einmal waren es ca.  33 Grad. Die gefühlte Temperatur betrug jedoch um die 41 Grad! Aber zurück zum Thema: Dieses Wetter plus Weihnachten passt für mich einfach nicht zusammen. Normalerweise mag ich den nassen, grauen, kalten Winter nicht, weswegen ich auch so gespannt auf Australien war. Hier habe ich ihn jedoch etwas vermisst. Zumindest das Gefühl, das die Weihnachtszeit mit sich bringt. Die Gemütlichkeit. Hier war es einfach nicht da. Kein Weihnachtsbaum, keine Geschenke, keine Lichter. Dennoch war es interessant, diese Erfahrung zu machen und bereits jetzt ist die Vorfreude auf mein nächstes "richtiges" Weihnachtsfest groß!
Auf dem Festivalgelände campt jeder. Egal ob Performer, Artisten oder Besucher. Die Artisten und Performer sind jedoch in einem abgegrenzten Bereich untergebracht, wo auch wirklich nur diese hineinkommen. Während des Festivals konnte ich mich an den von mir so sehr geliebten "Dixiduschen" erfreuen. Das sind diese berühmten Kästen, die man oft als Dixiklos sieht, nur eben mit einer Dusche. An sich nicht schlecht. Nur ist es eben nicht vom Vorteil wenn man sie bei heiß- feuchtem Klima verwendet. Steht man einmal für ein paar Minuten drin, möchte man auch eigentlich bald wieder heraus. Warm zu duschen ist keine gute Idee, denn somit verwandelt sich der kleine blaue Kasten noch schneller in eine Sauna. Und selbst wenn ich das kalte Wasser aufdrehe, die Hitze von Außen macht den Rest. Abtrocknen bringt nach der ganzen Nummer auch nichts. Direkt danach sammelt sich wie aus dem Nichts erneut das Wasser am ganzen Körper an. Nass anziehen macht mir eher weniger Spaß. ;) Sobald man aus der Duschen kommt, sieht man aus als hätte man einen Marathonlauf hinter sich... Nagut, so schlimm war es natürlich nicht ;)
Am 26. Dezember war dann der Einlass für die Besucher. Massen. Dann, pünktlich zu Beginn des Festivals, strömender Regen. Der hielt dann mit einigen kleinen Pausen auch noch die anderen 3 Tage an. Das Gelände verwandelte sich dann in ein Schlammdorf. Den einen Tag regnete es für eine kurze Zeit so stark, dass einige Zelte teilweise unter Wasser standen und ein kleiner Bach verwandelte sich in einen Wasserfall ;)
Jeden Tag früh um 9 ging ich zum People's Orchestra. Dort treffen sich Leute, die die verschiedensten  Instrumente spielen. Zusammen probten wir einige Stücke ein, die dann bei der Abschlussveranstaltung ("Fire Event") am Amphitheater gespielt werden.

Eröffnungsfeier am Amphitheater


Tilda, die 5 Meter große Puppe


Auf dem Festival gab es Unmengen an Essen! Hier aß ich die besten Doughnuts die ich je hatte! Jedoch sehen diese nicht so aus, wie man sie vielleicht aus Deutschland kennt. Hier sind Doughnuts wie für uns in Deutschland diese Berliner oder Pfannkuchen die es vor allem zum Fasching gibt. Es gab die traditionellen mit einem Loch in der Mitte, oder mit Marmelade oder Schokolade gefüllte, eierförmige. Sie sind unglaublich. Außen knusprig mit Zimt und Zucker, innen verdammt weich. Der Teig macht süchtig. Sie waren immer frisch, warm bis heiß. Ich aß insgesamt etwa 5 davon. 

der Stand mit den besten Douhnuts plus Schlange zum Anstehen 


lecker Veggi Burger

Diese Tage in Woodford waren die vom Wetter her anstrengendsten, die ich bis jetzt in Australien erlebt habe. Die Hitze war unerträglich. Waren keine Wolken am Himmel, brannte die Sonne wie Feuer. Und auch wenn Wolken am Himmel waren, wurde man vom feucht-heißem Klima umgehauen. Ich war froh über den Regen, den wir an einigen Tagen hatten. Wir hatten vor dem Van ein einfaches Gazebo. Jedoch spendete er nur zu einer bestimmten Tageszeit Schatten. Ich konnte jeden Tag bis maximal 6.30 Uhr recht entspannt schlafen. Danach ist es im Auto so heiß, dass man kaum noch Luft bekommt und schwitzt, als würde man in einer Sauna sitzen. Meinen Tag begann ich dann damit, aus dem Van zu stürmen um dann beim Frühstück von der Sonne gegrillt zu werden. Oft verbrachte ich die meiste Zeit des Tages damit, unter dem Gazebo zu sitzen nichts zu tun, oder meinen Kreislauf zu beruhigen. Selbst das war anstrengend. Das war das erste Mal, dass ich stundenlang nichts tat und trotzdem aus der Puste war :D Um das Gefühl zu beschreiben: Man glaubt vom Wetter erdrückt zu werden. Am Abend und in der Nacht war es ein Paradies auf Erden. :) Ich glaube, ich werde mich in Zukunft nicht über heißes Wetter in Deutschland beschweren. ;)

Foto von unserem grünen Gazebo+ Vanni aus


3 Minuten Stille auf dem Festival- wunderschön


Am letzten Tag des Festivals fand abends die Abschlussveranstaltung statt. Da ich mit im Peoples Orchestra spielte, konnte ich alles von der Bühne aus beobachten. Jedenfalls das, was ich auch sehen konnte. Leider konnte ich das Feuerwerk und einige andere Acts nicht mitverfolgen, da sich das direkt neben der Bühne abspielte. Es war ein schönes Erlebnis. Von der Bühne aus erkannte ich noch besser, was für Menschenmassen sich davor ansammelten. 



vor der Show





Nach Woodford fuhren wir noch ein Stück nördlich nach Diamond Valley. Dort entspannte ich 2 Wochen in einem "Treehouse", wie es dort von den Leuten genannt wird. Es befindet sich in einem riesigen Regenwald, umgeben von großen Hügeln und Bergen. Natürlich ist es auch im Regenwald nicht flach, weswegen die wenigen Häuser dort einen sehr ausgefallenen Baustil haben. Das Baumhaus besteht komplett aus Holz, ist rund, hat einen riesigen 180° Balkon und ist einfach wunderbar. Das war nach der Zeit in Woodford perfekt für mich. Zudem hat es fast jeden Tag geregnet und auf dem Balkon hatte man gut Schatten. 






Hängematte



zwei Lorikeets 



ein 3.6 Meter tiefer Pool!
Morgen geht es dann wieder los. Nach längeren Aufenthalten in Woodford, Diamond Valley UND auf dem Country Music Festival in Tamworth, was sich über 8 Stunden südlich von Diamond Valley befindet, fängt das Reisen wieder an. Mal sehen wo es mich so hinführt. Ich bin gespannt ;)