Donnerstag, 14. Mai 2015

Das Outback Teil 2: Uluru- Kata Tjuta Nationalpark

Vor etwa drei Wochen saß ich in der Wüstenstadt Coober Pedy in einer Art Höhle, während ich den ersten Teil den Outback- Breitags schrieb. Gerade befinde ich mich in Rockhampton in Queensland. Ich hatte bereits einige wunderbare Erlebnisse, das wird heute jedoch nicht mein Thema sein ;) Es bleibt vorwiegend erstmal.. trocken. (weil Outback und so..)
Von Coober Pedy fuhren wir eeeewig weiter bis wir unser Ziel erreichten. Noch etwa 750 km waren das. Und was ich auf der Strecke so sah, brauch ich nicht nocheinmal zu erwähnen. Im letzten Beitrag  kamen genug Bilder von Straßen, und Text über das tolle Gefühl im Outback zu sein. Ich mach es kurz: Straße, nix, paar Bäume.
Schon bald erschien mir der Sand noch roter als zuvor. Nach weiteren Tagen, die nur aus Fahren und Schlafen bestanden, tauchte dann ein roter großer Felsen auf. Das ist jedoch nicht nur irgendein Brocken, sondern der Uluru (auch bekannt als Ayers Rock)! Da war ich also, im Herzen von Australien.




Das Wetter war praktisch perfekt, nur in der Nacht war es im Van doch etwas zu frisch. Im Sommer möchte ich hier nicht sein. Ist wohl kaum auszuhalten wenn hier in der kleinen Stadt die Termometeranzeige auf über 40 Grad steigt.
Der rote Felsen wurde größer und größer, als wir mit dem Auto zum dortigen Parkplatz fuhren. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass der Uluru so ein riesiges Ding ist! Es gibt einen Weg, der sogenannte "Base-walk", der genau einmal um den Felsen herumführt. Das wird ja ganz fix gehen, dachte ich. Aber tatsächlich sind es etwas mehr als 10 km! Und so lief ich los und kam dann bald schon recht ins schwitzen. Nicht wegen dem Weg, sondern den Temperaturen, die trotz Herbst recht hoch waren. Was aber viel nerviger war, waren die unendlich vielen Fliegen! Es ist zum verrückt werden. Hunderte klebten an mir und krochen mir ins Gesicht. Mit den Händen herumzuwedeln bringt höchsten für ein paar Sekunden etwas. Danach kommen die Bestien wieder. Da ich sowieso keinen Hut hatte, und die Sonne meinen Kopf brutzelte, baute ich mir einfach einen Schutz aus meinem dünnen Pullover. Beim Laufen wackelten die Enden, die übers Gesicht hingen und verscheuchten damit sogar einige Fliegen ;).
praktisch der Eingangsbereich zum Walk


Ich mit meinem Fliegen-Sonnenschutz

Uluru beim Sonnenuntergang


Der Nationalpark hieße nicht "Uluru- Kata Tjuta" wenn es nur den Uluru geben würde. ;)
Der Kata Tjuta ist ein anderer und noch größerer Felsen. Auch hier hatte ich genug zum Wandern. (Aber irgendwann ist wirklich mal genug ;))




Kata Tjuta beim Sonnenuntergang
Nach einigen Tagen hieß es dann: Tschüss Herz von Australien!
Von da an hatten wir noch einen zweiten seeeehhr langen Weg vor uns, bis wir endlich wieder die Küste in Queensland erreichten. Nämlich über 2500 km!! Tagelang hieß es nur: fahren fahren fahren. Wieder nur Straße und Nichts. Das einzige, was ich beobachten konnte war, dass das Gras nach ein paar Stunden Fahrt immer höher wurde ;)
Obwohl es toll ist, so eine unglaubliche Ruhe genießen zu können, wird es nach einigen Wochen im Nichts doch schon etwas langweilig. Auch wenn man in der Nacht den wohl schönsten Sternenhimmel hat, den man sich vorstellen kann ;)
Seit etwa 10 Tagen bin ich auch nun endlich wieder am Ozean! Dazu aber bald im nächsten Eintrag mehr :)
Ach ja! Da, wo wir jetzt nicht mehr im Outback sind, haben wir uns erlaubt, "Wolf Creek" zu schauen  :p

Freitag, 24. April 2015

Das Outback Teil 1: Wie mich "NICHTS" umhauen kann

Waaahhhh! Seit ich die kleine Winery in Mia Mia, Victoria vor etwa 20 Tagen verlassen habe, haben wir uns bereits um die 2.000 Kilometer durchs Landesinnere von Australien bewegt. Zuerst machten wir für ein paar Tage einen Abstecher nach Mildura, wo wir bereits im Oktober letzten Jahres einmal waren. Danach fuhren wir in eine große Stadt die wohl einige kennen- Adelaide! Endlich konnte ich wieder den Ozean schnuppern. Es war ein schönes Gefühl, nach so "langer" Zeit endlich wieder am Pazifik zu sein. Außerdem muss ich sagen, dass mir Adelaide von den großen Städten am besten gefallen hat. Es ist einfach nicht so übertrieben überlaufen, keine Menschenmassen, die sich hastig durch die Straßen quälen, kein übermäßig nerviger Verkehr, der dich für Stunden aufhält, und überhaupt ist diese Stadt nicht zu stark zugebaut wie man es z.B. von Melbourne kennt. Mir gefällt es.






Aber nun zum eigentlich wichtigstem Thema in diesem Beitrag:

Das Outback!!!

Ein recht langer weg war es zu den Flinders Ranges, einem Gebirge, etwa 450 km von Adelaide.
Fahren, fahren, fahren. Aufeinmal geht die Straße nur noch geradeaus. Kein Netz mehr. Die Bäume verschwinden, irgendwann ist es nur noch flach! Ich sehe das Ende der Straße nicht. Aber dann irgendwann tauchen am Horizont Berge auf. Ach ja! Das sind die Flinders Ranges. Riesig!
Wir blieben in dem Wilpena Pound Resort, das sich im Flinders Ranges Nationalpark befindet. Also mittendrin! Einen Tag lang machte ich mich auf die Socken zum St Mary Peak (Berg). Und der Weg dahin hatte es echt in sich (wie sich nach einigen Stunden herausstellte)! Zuerst einige Kilometer nur Wald, dann und wann kamen auch schon die ersten Aufstiege. Bald ein Schild, das darauf hinweisen sollte, dass ab hier nur gut erfahrene Bergsteiger weitergehen sollten. "Ach die Australier", lachte ich. "Die haben ja keine Ahnung was richtige Berge sind, also machen die sich schon bei diesen Hügeln in die Hose." ... Naja..
Nach knapp einer Stunde laufen ging es ja erst los. Die Pfade wurden immer schmaler und steiniger, die Abhänge immer tiefer und wenn ich nach oben zur Bergspitze schaute, dachte ich: Wie?!
Auf einmal war dann Schluss mit Weg, klettern! Nur Felsbrocken über Felsbrocken. Nadann mal los. Somit zog sich die ganze Prozedur etwas hin. Aufpassen, nicht abzurutschen, äh wo soll ich denn jetzt meinen linken Fuß und die rechte Hand hinmachen? Und jaa nicht nach unten schauen! ein Geländer gab es nicht. Alles auf eigene Gefahr. Als ich mich außer Atem auf einem Felsbrocken auf dem Abhang setzte, während vor mir das Land schon winzig klein erschien, fand ich das Warnschild dann doch nicht mehr ganz so lustig.




Nach einer Ewigkeit erreichte ich dann die Spitze. Ein schöner Ausblick und man fühlt sich unglaublich hoooocchh! Wie es sich wohl auf dem Mount Everest anfühlt..?
Während ich mir die Frage stellte, wie viele Menschen hier wohl schon runtergehüpft sind, dachte ich gleichzeitig: Mist, ich muss ja den ganzen Weg auch noch zurück! Tja das war dann wohl ein äußerst gutes Workout. Nach 9 Stunden war ich dann doch wieder ganz froh, wieder zurück im Camp zu sein.

(runter scrollen!)
Foto von der Spitze des "St Mary Peak"




(und weiter scrollen!)


Nach den Tagen in den Flinders Ranges machten wir uns dann auf, noch weiter ins Landesinnere zu fahren. Und ab da an haute es mich bald um! Stundenlang, tagelang fahren wir nur auf einer Straße geradeaus. Links, rechts und vor uns ist einfach.. nichts! Rein gar nichts. Es ist einfach so leer und so weit. Gruselig und so beeindruckend. Ich selbst hätte nie gedacht dass einem so wenig so sehr umhauen kann. Während ich Stundenlang in ein und die selbe Richtung schaue und stundenlang das Gleiche sehe, nämlich NICHTS!, staune ich. Ich staune immer wieder. Ja aber über was denn? 
Oft kommen einem die sogenannten Road Trains (riesige LKW's um es einfacher auszudrücken) entgegen, die jeweils noch 3 riesige Ladungen ziehen. Selbst ein Reisebus ist dagegen noch eine kleine Fliege! Ich nenne sie den Blauwal auf Rädern. 
Nach ewigem fahren biegen wir auf einen Parkplatz ab. Da steht ein sogenanntes Roadhouse. Teures Benzin, Essen, Toiletten und alles was man benötigt. Dieser "Fleck" heißt Pimba. Eigentlich kein wirkliches Dorf, nur sind die Städte hier so endlos weit voneinander entfernt, dass eine Tankstelle und dies und das für die Reisenden unbedingt notwendig ist. So auch für uns. 





..nichts..

..auch nichts..


Während vor uns die Sonne unterging, erreichten wir aufeinmal einen riesigen See! Was?! Wie kommt der denn dahin? Hä? Na so ein Zufall.



Die Nacht sagte dem Outback "hallo" und wir suchten uns ein sandiges Plätzchen zum Schlafen. 
Der nächste Morgen (heute) begann sehr früh und wie ich glaubte, ich hätte den Tag davor schon "Nichts" gesehen, so wurde meine Meinung dann doch noch einmal geändert und wieder stand meine Kinnlade praktisch stundenlang offen. 


Coober Pedy

 Irgendwann, nachdem aus dem Nichts noch mehr Nichts wurde, erreichten wir eine Stadt (ja! eine Stadt!) namens Coober Pedy. Und ihr werdet es kaum glauben, aber diese Stadt gefällt mir sowas von! Hier in der Stadt sowie rundherum gibt es unzählige Sandberge und Löcher. Warum? Coober Pedy wird auch die "Opal-hauptstadt der Welt genannt". Und genau das ist hier das Besondere. Fast alle Opale der Welt kommen von hier.
Nirgends in der Stadt sieht man einen grünen Fleck. Nur roter Sand und viele viele Felshügel. Und wisst ihr was? Die meisten Menschen hier wohnen unterirdisch! In den Felsen sind Wohnungen, Restaurants und Kirchen gemeißelt. In den Sommermonaten ist es hier unerträglich heiß. In diesen Höhlen jedoch sind es immer um die 25 Grad. Und das machen sich die Menschen hier zunutze. Praktisch oder? Und während ich mit voller Begeisterung diesen Beitrag tippe, sitze ich in genau so einem Raum in einem Felsen. Praktisch unterirdisch. (Und draußen ist es unglaublich stürmisch und stockdunkel, der Wind kann ja schließlich ungehindert durchs Outback pusten).



Blick auf Coober Pedy

Blick auf Coober Pedy (und einer alten Filmrequisite unten Links)

Wieder einmal versuche ich zu beschreiben, wie sich (in diesem Fall) diese Gegend und das absolute Nichts anfühlt. Ihr könnt euch diesen Blog durchlesen und die Bilder anschauen bis euch die Augen rausfallen, ich werde euch nie genau vermitteln können, wie es wirklich ist. Nichts und niemand kann das. Ihr werdet nie wissen, was es bedeutet, an diesen Orten zu stehen wenn ihr es nicht selbst einmal erlebt habt. Also packt verdammt nochmal eure Sachen und unternehmt etwas! Das sind Erfahrungen und Eindrücke, die euch so viel geben werden. Die einen mögen sagen "Mh stimmt." Die anderen: "Was ist daran denn besonders?" Letztendlich ist es jedem seine Entscheidung. Aber wenn ihr es macht, dann werdet ihr irgendwann vielleicht dasselbe denken. Und ihr werdet von so vielen simplen Dingen umgehauen werden...
.. auch wenn es nur ein Hauch von Nichts ist.






Sonntag, 5. April 2015

Nichts als Ruhe und gaaanz viel Wein!

 Vor etwa 6 Wochen verließen wir die Apfelfarm in Orange und fuhren nach MiaMia, Victoria. Es war bereits stockdunkel als wir nach 9 Stunden Fahrt unseren Van in eine Einfahrt mit dem Schild "Burke & Wills Winery" lenkten. Irgendwo im Nirgendwo. Keine Lichter weit und breit. Nur Feld. Noch eine Weile fuhren wir auf einem staubigen Feldweg entlang, bis wir ein Haus erreichten. Hier und da liefen uns Schafe über den Weg und Kaninchen hoppelten ins Sichere.
Auf diesem kleinen Weingut leben Andrew und Heather. Sie stellen nicht nur ihren eigenen Wein her, sondern kennen auch sehr viele bekannte Musiker und veranstalten selbst kleine Konzerte. Als ich mich am ersten Morgen auf ihrem Grundstück umsah und erkannte, wo ich mich überhaupt befinde, dachte ich "Ui, da muss ich mich bestimmt erst einmal dran gewöhnen". Weit und breit ist einfach...Nichts. So weit ich schauen kann, sehe ich nur von der Sonne verbranntes, gelbes Gras, ein paar Bäume hier und da, und in der Ferne Hügel, Hügel, Hügel. Endlose Weidefläche. Der nächste Ort mit Einkaufsmöglichkeiten ist 30 Minuten von hier entfernt. Man hört einfach nichts außer Vögel oder das Rascheln der Bäume. Das nenne ich mal Ruhe !

Blick vom Grundstück


..um eine kleine Vorstellung zu bekommen wo ich mich befinde, allerdings ist es längst nicht mehr so grün!

Diese Gegend hier ist sehr bekannt für den besonders guten Wein. So gibt es hier und da, nicht ganz weit voneinander entfernt mehrere Weingüter. Und so kam es, dass ich schon bald einen Job bei einem anderen Weingut namens "Granite Hills" bekam. Granite Hills liegt nur 15 km von der Burke and Wills Winery entfernt und ist in meinen Augen wirklich riesig!

Foto bei dem Weingut "Granite Hills"- mein Arbeitsplatz :)
links: einige Reihen Wein

Links und rechts unendlich viel Wein
Obwohl diese Gegend hier perfekt zum Entspannen ist, stand für mich jedoch eigentlich nur eins auf dem Plan: arbeiten, arbeiten, arbeiten. An jedem Arbeitstag klingelte um 6 Uhr Früh der Wecker. Wie immer quälte ich mich dann aus dem Bett, hatte mein Frühstück und machte mich dann auf dem Weg zu Granite Hills, das mit dem Auto 20 Minuten von der Burke and Wills Winery entfernt ist. Der Weg dahin ist immer wieder aufs Neue wunderbar. Während die Sonne aufgeht fährt man über Hügel, von wo aus man einen unglaublich weiten Blick über die leere aber doch märchenhafte Landschaft hat. Oh ja! Es ist nicht gerade leicht, exakt zu beschreiben, wie diese Gegend aussieht oder wie sich dies und das anfühlt. Selbst an solchen Orten zu sein ist mit Nichts vergleichbar. Ich hoffe dass einige meiner Fotos mehr aussagen können.

Sonnenaufgang beim Weg zur Arbeit
Einfahrt zu Andrew und Heathers Haus

Auf diesem riesigen Weingut gibt es immer viel zutun. Perfekt für uns war außerdem, dass wir hier ankamen, als gerade die Ernte begann. In meinem letzten Blogeintrag habe ich ja bereits genug über die anstrengende Arbeit beim Äpfel pflücken erzählt. Wein pflücken gehörte auf diesem Weingut aber nicht wirklich zu meinen Aufgaben. Ich half vor allem dabei, die riesigen weißen Netze über die Reihen Wein zu spannen. Die sollen Vögel davon abhalten, die ganzen Trauben zu fressen. Das ist hier wirklich ein großes Problem. Hier leben unglaublich viele Kakadus und alle möglichen anderen einheimischen Vögel. Die sind zwar wunderschön und niedlich aber nicht vom Vorteil auf einem Weingut. Trotz der Netze schaffen einige dann irgendwie doch, an die Trauben zu gelangen.
Ansonsten tat ich dies und das. Junge Pflanzen verschneiden, Proben sammeln, Netze entfernen, bei der Ernte die vollen Eimer einsammeln, selbst Wein pflücken und und und. Es war genug um jeden Abend erschöpft nach Hause zu kommen ;)
Die Granite Hills Winery gehört Llew Knight. Er baute sein Haus auf einem Hügel, von wo aus er über sein Weinfeld und noch weiter hinaus schauen kann. Dort lebt er mit seinem kleinen Sohn, Ben und seiner Frau, Andrea.

Ausblick von Llews Haus

Ausblick von Llew's Haus nr. 2
Nach einer Woche bei Heather und Andrew (Burke and Wills Winery) kam auch schon ein junges Paar aus Frankreich an. Die beiden hatten bereits 2 Jahre lang Australien bereist, waren einige Monate bei Andrew und Heather und sind sehr gute Freunde geworden. Jetzt sind sie für 3 Monate wieder hier und werden bald für ein Jahr nach Neuseeland fliegen, was für ein Leben ! :) Mit ihnen bin ich oft zu einigen anderen Weingütern der Umgebung gefahren um dort Früchte zu pflücken. Ich hatte in der Zeit hier sehr viel Spaß mit den Beiden. Hoffentlich werde ich sie noch einmal treffen. ;)
An den Wochenenden arbeitete ich zwar nicht bei Granite Hills, aber bei Andrew und Heather war an den Wochenenden immer was los. Auf ihrem Grundstück veranstalteten sie jedes Mal Konzerte und immer wurde gekocht damit einem die Gäste jaa nicht verhungern ;)



Sonnenuntergang über der Burke and Wills Winery






Morgen, am Montag werden wir diesen Ort verlassen. Dann beginnt das nächste Abenteuer. Das wird ganz grooooooß!!
Ich freu mich drauf :)

4 Mitbewohner ;)














Donnerstag, 19. Februar 2015

Äpfel, Äpfel, Äpfel!!! - So läuft's beim fruit picking

Vor etwa dreieinhalb Wochen verschlug es mich nach Orange, welches sich etwa 450 km entfernt südlich von Tamworth, dem Ort an dem ich davor war, befindet. Warum? Der Grund ist ganz klar: Arbeit! Orange ist (so wie unzählige andere Orte in Australien ) so interessant, weil es rundherum um der Stadt verdammt viele Apfel,- und Weinfarmen gibt. Fruit Picking oder Farmwork sind die Jobs, die wohl die meisten Reisenden machen. Natürlich fliegt einem die Arbeit nicht einfach zu. Wir buchten zunächst 7 Tage eine Campsite auf dem Campingplatz in Orange. Nichts besonderes, sehr einfach gehalten, aber mehr brauchen wir ja nicht. Wir waren in unserem Bereich nicht allein, ohh nein. Nur etwa 50 meter von uns entfernt war die offene Camp Kitchen. Das sind die Anlagen auf einem Campingplatz wo alle Leute dort ihr Essen zubereiten und verdrücken können. Direkt davor war noch eine Wiese. Darauf campten mindestens 15 weitere Backpacker, davon mehr als die Hälfte aus Deutschland. Soweit so gut. Nur leider halte ich nichts davon, wenn diese den ganzen Tag in der Campkitchen hocken und es als IHR Wohnzimmer einnehmen. Sie verstreuten ihr Essen, ihre Kochutensilien und ihr Müll überall. Dazu kommen noch Campingstühle, eine Musikanlage (die fast den ganzen Tag dröhnte), eine Luftmatratze (jap, man hat auch einfach mal ein Nickerchen in der Küche gemacht, oder sich einfach darauf gelegt weil ja sitzen so anstrengend ist), UND eine Xbox plus Fernseher. Vom Inhalt der Gespräche brauche ich gar nicht zu berichten. Das Niveau kann wohl nicht tiefer sinken. Abends und in der Nacht gab es dann auch ab und zu eine Campkitchen- Party. Wie witzig. Aber gut, das erstmal dazu. Wenigstens hatte ich die Möglichkeit, einige Vögel zu fotografieren, echte Vögel.


weißer Kakadu


hübscher Papagei



 Einen Tag lang machten wir uns auf die Socken und klapperten eine Menge an Farmen ab, die sich etwas außerhalb befinden. Wir fragten die Farmer persönlich nach Arbeit. Und- wenn ich jetzt mal etwas vorspule- siehe da! Nach einer Woche standen wir dann an einem Mittwochmorgen pünktlich um 8 Uhr auf einer Apfelfarm im 9 km entfernten, winzigen Nashdale. Außerdem waren noch 4 weitere Franzosen da. Auf der Farm gibt es, ein wenig versteckt und ganz hübsch, idyllisch, einen grünen, großen Platz auf dem man campen kann. Natürlich alles umgeben von unzähligen Apfelbäumen (es gibt auch Birnen ;) ). Später dazu mehr.
Unser Vorarbeiter gab uns allen eine gute Einweisung. Er gab uns unsere Picking bags (die Beutel, in denen man die Äpfel sammelt, bevor man sie in den Stiegen auslädt) und erklärte uns was man auf keinen Fall für Fehler machen darf, da man schnell Probleme mit dem Rücken bekommen kann. Danach gab er uns 3 Traktoren und jeweils 2 Leitern (wir sind 6 Leute, arbeiten immer zu zweit) und zeigte uns, wie sie zu fahren sind. An den Traktoren hängt jeweils ein Trailer, auf ihm stehen zwei Stiegen. Hier in Australien sagt man dazu immer "bin". Ich setzte mich in eine Stiege, dann ging es los. Wir fuhren in den "Block" von Apfelbäumen, die zu pflücken waren. Unser Vorarbeiter gab uns dort noch ein paar Tipps für's Pflücken. Ich staunte über die riesigen Stiegen. Wie lange das wohl dauern wird, ehe man eine gefüllt hat. Ich fragte Rodney (den Vorarbeiter) wie viele Kilos da hineinpassen. 470 kg meinte er. Wow.. Und dann fingen wir an zu pflücken. Äpfel, die hinunterfallen, sollen wir nicht aufheben, da diese ja verletzt werden.  Zu viele sollen wir auch nicht fallen lassen, er möchte uns nicht mehrmals warnen. Trotzdem hob ich einige Male unverletzte Äpfel vom Boden auf und tat sie in den Bin zu den anderen.
An diesem Tag schafften wir gerade mal 4 Stiegen zu füllen, also 2 Trailer. Für die ersten zwei Stiegen brauchten wir 4 Stunden. Erschöpft gingen wir zum "Camp" zurück, wo auch die anderen vier waren. Meine Schultern und mein Nacken taten mir weh. Meine Beine waren mit Staub bedeckt und schon nach diesem Tag erst hatte ich Wunden an Armen und Beinen. Ein bisschen verzweifelt und enttäuscht sahen wir alle aus. Das alles für das Geld? Wir werden pro Bin bezahlt. An diesem Abend redeten wir mit den Franzosen über dies und das, aber vor allem über die Arbeit und den Verdienst. Sie sind alle ungefähr in meinem Alter, zwei Mädchen, zwei Jungen. Ich mochte sie sofort.
An jedem nächsten Morgen klingelte 5.30 Uhr der Wecker. Draußen dunkel und kalt. Ich robbte mich aus dem Bett, noch mit dem Stechen in den Schultern von Gestern. Sachen anziehen, rausgehen. Es gibt Müsli mit frischem Obst und warmer Milch. Dann Zähne putzen. Die Sonne geht über den Apfelbäumen auf. 25.000 sind es. Sobald es hell ist, gehen wir zu unserer Baumreihe, dort, wo schon unser Traktor mit den leeren Stiegen bereit steht. Ein Morgenspaziergang durch das Apfelfeld. In der Hand einen 10 Liter Wasserkanister, Sonnencreme und noch mehr. Noch immer ist es kalt, ich trage eine lange Hose über der kurzen und einen Pullover. Das Gras ist nass, weicht meine Schuhe ein. Ich schlüpfe in meinen Picking bag, schaue noch einmal auf die Uhr. 6:30.. Meine Hände sind kalt, die Äste schmerzen noch während man pflückt. Ich wünsche mir, es wäre wärmer, aber schon in ein paar Stunden werde ich mich über die Hitze beschweren und ausziehen, was nur geht. Die ersten Sonnenstrahlen dringen durch die Äste hervor und bringen das Rot der Äpfel zum Leuchten. Früh geht alles schnell, da ist man noch voller Energie und es ist noch keine Sonne da, die einen umbringt. Nach 2,5 Stunden sind dann die ersten zwei Stiegen voll. Eine Verbesserung, wow. Bis ca. um 12 ist das Arbeiten noch recht angenehm. Die Bäume spenden hier und da Schatten. Nachmittags geht alles langsamer. Die Hitze drückt, die Sonne brennt wie Feuer auf der Haut. Kein Schatten mehr. Es müssen nicht unbedingt 30 Grad sein und dennoch ist es unerträglich in der Sonne. Nicht einmal Wolken am Himmel, die mich schützen könnten. Ich setze mir den Papierhut auf, den mir meine Mum vor Australien kaufte. Sie meinte damals, er stehe mir so gut und ich bräuchte sowieso einen. Gut sah er wirklich einmal aus. Das war jedoch vor dem Flug. Ich musste alles in meinem Reiserucksack so zusammenquetschen, dass der Hut in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ihn zu falten war keine gute Idee. Nun ist er flach wie ein Blatt Papier. Ich setzte ihn nur auf, weil ich keinen anderen hatte und mich vor der Sonne schützen wollte. Sorry Mum.
An diesem Tag waren es am Ende wieder nur vier Bins. Ab dem dritten Tag schafften wir jedoch sechs. Am Wochenende hatten wir frei. Zeit, um sich ein bisschen mehr einzurichten. Vor unserem Van stellten wir unser Gazebo auf, darunter unseren Tisch und Stühle. Schlecht ist es hier nicht. Unser Platz ist direkt am Damm, wo das Wasser für uns und die ganze Farm gespeichert wird. Ein Stückchen weiter daneben steht ein alter großer, umgebauter Container. Darin zwei alte Duschen und Toiletten, sowie eine alte Waschmaschine wie ich sie noch nie gesehen habe. Man muss sie selbst mit heißem Wasser befüllen. Danach dreht sich die Wäsche ein paar mal bis das Wasser schwarz vom Staub ist. Betätigt man einen anderen Knopf wird das Wasser einfach nur abgelassen und das war's dann. Neben dem Container ist noch eine Art überdachte Campkitchen angebaut, auch sehr alt. Es gibt nur ein paar Ablagen und einen gammeligen Kühlschrank. Aber das ist super. Mehr als wir sonst zur Verfügung haben. Neben der Arbeit fühle ich mich hier sehr wohl. An dem kleinen See hatten wir auch anfangs eine große Gans die ständig rumschnatterte. Nun ist sie aber in einem zweiten Damm ein paar Meter weiter, die zwei Jungs hatten sie mit Äpfeln verjagt.

Links der Bad-Container mit Küche, rechts Van mit Gazebo, im Hintergrund Apfelfeld

Mit den Franzosen haben wir sehr viel spaß. Es ist lustig, sich mit ihnen zu unterhalten. Vor allem die beiden Jungs treiben ständig irgendwelchen Unfug :)
Über die Tage gewöhnte ich mich ein bisschen an die schwere und langwierige Arbeit. Das Wetter war mal so und mal so. Oft war die Hitze nur mit viel Wasser auszuhalten. Ich habe ja meinen tollen 10 Liter Kanister. Trotzdem unangenehm. Durch die Sonne hatte ich mir trotz Sonnencreme einen heftigen Sonnenbrand im Gesicht eingefangen. Einmal eine Runde Schlange spielen. An den Armen bin ich nun so braun wie nie zuvor ;).
So ging es von Tag zu Tag immer weiter, bis jetzt seit zwei Wochen. Mal hatten wir total die Nase voll und mal fühlten wir uns ganz gut und waren positiv gestimmt. Ich glaube, auf dieser Farm ist man schon ziemlich gut aufgehoben. Auf anderen tummeln sich dutzende Backpacker, ca. 20 Leute müssen sich zwei Duschen und einen Kühlschrank teilen. Hier sind wir friedlich zu sechst. Es ist ruhig und entspannend. Man hört nur die Vögel auf den Bäumen und in der Luft, die Enten im Wasser, den Traktor im Feld oder den Schrei eines der Mädchen wenn sie eine große Spinne entdeckte. Unser Vorarbeiter kümmert sich gut um uns. Wir können im Grunde tun und lassen, was wir wollen. Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten und wir entscheiden, wann wir in die Pause gehen. Bald werden wir jedoch diese Farm verlassen. Nun ist sowieso Pause für zwei Wochen, da die anderen Äpfel noch nicht reif genug sind.
Und auch wenn die Arbeit hier anstrengt und die Sonne nervt, am Ende vom Tag lasse ich mich in den Campingstuhl fallen und während ich auf den kleinen See neben mir schaue, die Vögel singen und es dämmert, denke ich mir: Dieser Ort ist doch irgendwie schön, hier fühle ich mich wohl.


Links Damm, rechts Küche, in der Mitte Gumtree und Apfelfeld im Hintergrund
Traktor, Sonne, Staub und Bäume


Links Bad- Container und Schrott :)


während einer Pause

Traktor mit Trailer und fast vollen Bins